Andrew Cohen



BASEL – 11. Mai 2013, 10:00 – 19:30 Uhr

Februar 20th, 2013 by · Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Veranstaltungen

Meditation & Evolution

Tagesseminar mit Annette Kaiser, Andrew Cohen & Arthur Zajonc

Meditation wird heute nicht mehr nur an den Rändern der Gesellschaft geübt, sie ist mitten im Mainstream angekommen. Große Magazine berichten darüber, die Wissenschaft erforscht die Wirkung meditativer Techniken auf das Gehirn und in der Psychologie ist Meditation eine anerkannte Methode zur Stressreduktion.

Aber was ist eigentlich das Ziel von Meditation – ist es tiefere Ruhe, Entspannung, Gesundheit oder, wie die spirituellen Wege uns sagen, eine Transformation des ganzen Menschen? Was trägt Meditation zu unserer eigenen Entwicklung bei, und was darüber hinaus zur Entwicklung der Kultur als Ganzes?

Eine aufgeklärte, progressive Spiritualität sucht die Erfahrung des Absoluten aber nicht allein in der Meditation. Heute erkennen immer mehr Menschen, dass auch der Weltprozess selbst eine spirituelle Tiefe erlebbar macht – ja, das unser Wirken dem Prozess der Evolution dienen kann. Welche weiteren spirituellen Perspektiven und Übungen können uns diese evolutionäre Dimension von Spiritualität erschließen?

In der Konferenz „Meditation & Evolution“ werden drei Experten verschiedener spiritueller Praxiswege diese Fragen im lebendigen Dialog vertiefen:

Annette Kaiser: Spirituelle Leiterin der Villa Unspunnen, Schweiz und der Windschnur, Deutschland.
Andrew Cohen: Spiritueller Lehrer und Wegbereiter einer evolutionären Spiritualität sowie Gründer von EnlightenNext.
Arthur Zajonc: Präsident des Mind & Life Instituts und ehem. Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft der USA.

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Gemeinsam mit dem Publikum werden diese drei Visionäre erforschen, welche inneren Räume uns Meditation eröffnen kann und welche spirituellen Praktiken uns ermächtigen, im evolutionären Wandel der Welt mitzuwirken.

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Liebe

Oktober 10th, 2012 by · Kommentare deaktiviert · Allgemein, Andrew Cohen, Andrew Cohen's Blog

Eine Textserie von Andrew Cohen

Teil 1 – Was ist Liebe?

Haben Sie sich jemals gefragt, was Liebe eigentlich ist? Oder glauben Sie schon zu wissen, was Liebe ist, aufgrund dessen, was andere über dieses so wichtige Thema gesagt haben? Als spiritueller Lehrer werde ich oft nach Liebe gefragt. Dabei finde ich es interessant, dass wir dieses Wort benutzen, um ganz verschiedene Dinge zu bezeichnen. Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Wir tendieren dazu, das Wort Liebe für das zu benutzen, für das wir starke Gefühle empfinden. Aber wir nutzen das Wort Liebe, um unsere persönlichen Vorlieben zu benennen aber auch, um auf das hinzuweisen, was wir für das Sinnvollste in der menschlichen Erfahrung halten.

Was mich selbst angeht, so kann ich ganz ehrlich sagen: Ich liebe Kaffee. Ich liebe chinesisches Essen. Ich liebe Maiskolben. Ich liebe mein neues Hybrid-Auto. Ich liebe meinen Geburtsort New York City. Ich liebe Indien, dieses geheimnisvolle und magische Land. Ich liebe die Berkshire Mountains im westlichen Massachusetts, wo ich lebe, besonders im Herbst, wenn die Blätter strahlend gold, orange, purpurn und rot werden. Ich liebe es, zu reisen und die Frische der Vergänglichkeit und die Freiheit der Bewegung zu erfahren. Ich liebe es, mich der überwältigenden Erschöpfung hinzugeben und in tiefen Schlaf zu fallen, wenn ich von langen Flügen nach Hause zurückkomme. Ich liebe meinen kleinen Hund, und ich liebe es, von ihm am Morgen durch seine insistierenden und liebevollen Berührungen geweckt zu werden. Ich liebe meine Frau, mit der ich seit 26 Jahren zusammen bin und das tiefe und bedingungslose Vertrauen, das sich mit der Zeit zwischen uns entwickelt hat. Ich liebe die intensive Erinnerung an meine erste ernsthafte Liebesbeziehung im Alter von 16 Jahren. Ich liebe Musik. Ich liebe Jazz und Fusion und Blues und ich liebe es, Schlagzeug zu spielen.

Ich liebe meine Schüler auf der ganzen Welt, mit denen ich die Begeisterung für die Evolution des Bewusstseins teile, die uns alle belebt, bestärkt und inspiriert. Ich liebe den Geist, weil ich entdeckt habe, dass seine unbegreifliche Natur mein eigenes Wahres Gesicht ist, die Quelle meiner Freiheit und von allem, was ich tue. Ich liebe meinen Lehrer, weil er mir alles gegeben hat. Ich liebe es zu lehren, weil ich dann am freisten bin. Ich liebe das Leben, das ich lebe, weil mir die Möglichkeit gegeben wurde, an der Evolution des Bewusstseins und der Kultur mitzuwirken.

Wovon sprechen wir also, wenn wir das Wort „Liebe“ verwenden? Beziehen wir uns lediglich auf persönlichen Geschmack und unsere Vorlieben? Zeigen wir damit auf unsere Erfahrung von tiefen emotionalen Bindungen und Zuneigungen? Oder beziehen wir uns auf unsere Verbindung zu einer höheren spirituellen Wahrheit? Vielleicht meinen wir alle drei Aspekte. Diese Unterscheidungen werden oft nicht klar genug gemacht.

Liebe wird im Allgemeinen als eine einzigartig menschliche Erfahrung beschrieben, die dem Rest des Lebens Sinn und Bedeutung gibt. Ohne Liebe, so wird uns gesagt, ist das Leben sinnlos. Ich denke auch, dass das wahr ist. Aber wenn wir von dem sprechen, was uns ein letztendliches Empfinden von Bedeutung gibt, worauf beziehen wir uns dann? Meinen wir damit eine Erfahrung der Liebe, die die normalen Grenzen unserer persönlichen Identität transzendiert, oder eine Liebe, die, so kraftvoll sie auch sein mag, immer noch darin gefangen ist?

Als ich 16 Jahre alt war, hatte ich zwei der kraftvollsten Erfahrungen von Liebe, die ein Mensch erfahren kann. Eines Nachts saß ich bis spät nachts in ein Gespräch vertieft und ohne ersichtlichen Grund öffneten sich plötzlich die Pforten der Wahrnehmung und ich verlor jede Wahrnehmung von Grenzen. Plötzlich schien es, als wäre das ganze Universum mein Körper und mein Geist war grenzenlos und allumfassend. Die Präsenz der Liebe, die diesem Besuch aus dem Unbekannten begleitete, war so intensiv, dass ich das Gefühl hatte, mein Körper könnte diese Intensität nicht für mehr als ein paar Momente aushalten. Es ging schon bald vorbei aber es hinterließ einen unauslöschbaren Eindruck in meiner Seele. Später in dem gleichen Jahr verliebte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben in eine Frau. Es war ein romantisches Intermezzo mit all dem Schmerz und Ekstase der klassischen Liebesgeschichten. Obwohl es eine Erfahrung war, die ich nie vergessen werde und die ich auch nie wiederholen konnte, veränderte sie letztendlich nicht mein Leben. Mein Besuch aus dem Unbekannten andererseits veränderte mein Leben für immer.

Um eine tiefe und multidimensionale Wertschätzung der Liebe zu entwickeln, müssen wir ihre verschiedenen Formen und Ausdrucksweisen innerhalb einer Hierarchie von Werten sehen. Eine lebenstransformierende Erfahrung spiritueller Liebe ist, so glaube ich, die höchste Form der Liebe, denn darin berühren wir die Ewigkeit – wir erkennen eine Vision der Wirklichkeit, die alle Vorlieben und Anhaftungen unserer persönlichen Identität transzendiert.

Ich liebe immer noch Kaffee, mit meinem Hund spazieren zu gehen, Schlagzeug zu spielen, mit meiner Frau zu reisen und meine Schüler und Kollegen zu treffen, die meine Begeisterung für die Evolution des Bewusstseins teilen. Wir sollten uns alle um das Wissen bemühen, was Liebe in ihren vielgestaltigen Manifestationen wirklich ist. Und wenn wir das volle Spektrum der menschlichen Erfahrung umfassen wollen, sollten wir es in einer Hierarchie spirituell informierter Werte tun – Werte, die uns immer klar erkennen lassen, was im Leben wichtiger als andere ist.

Teil 2
Vertrauen, das schönste Geschenk der Liebe

Wir können Liebe als das betrachten, was sie ist oder was sie nicht ist. Liebe ist das erhebende Gefühl von Freude, Ekstase, Erfüllung, Zufriedenheit, Verzückung und Hingabe. Liebe ist nicht die schmerzhafte Erfahrung von Angst, Zweifel, Argwohn, Neid, Besessenheit und Anhaftung. Mehr als alles andere, so glaube ich, ist der wahrhaftige Ausdruck von Liebe das Vertrauen. Tatsächlich ist Vertrauen das schönste Geschenk der Liebe. Warum? Weil Vertrauen eine Erfahrung ermöglicht, die die gewöhnliche Liebe nicht hat: die Erfahrung von Freiheit und Raum. In der Tat ist Vertrauen die starke Erfahrung von spiritueller Freiheit im Kontext menschlicher Beziehungen.

Wenn wir die Augen schließen und die Welt entschwinden lassen, können wir spirituelle Freiheit erfahren und die unendliche Natur von Bewusstsein kontemplieren. Aber wie erfahren wir die gleiche Freiheit innerhalb der Komplexität unserer zwischenmenschlichen Beziehungen? Das ist eine viel schwierigere Aufgabe. Wenn man die immerwährende mystische Erfahrung der Freiheit für sich selbst, bei einem Spaziergang in der Natur oder allein in stiller Kontemplation erfährt, ist das eine wesentlich geringere Herausforderung, als die gleiche Freiheit mit anderen Menschen zu erleben.

Im utopischen Paradies einer spirituell erleuchteten Welt bedeutetet „Ich liebe Dich“ viel mehr als ein Ausdruck tiefer Zuneigung und Anziehung, denn es bedeutet: „Ich vertraue Dir.“ Denken Sie einmal darüber nach. Für die meisten Menschen sind diese Worte nicht unbedingt Synonyme. Es ist einfacher, jemandem zu sagen, dass man ihn liebt, als dass man ihm vertraut. In den meisten Fällen läuft Liebe auf ein starkes Gefühl von Zuneigung, Zärtlichkeit, Intimität und Bindung hinaus. Um ehrlich zu sein: Liebe ist bei näherer Betrachtung eine Erfahrung, die weder so tief noch so bedeutungsvoll ist, wie sie erscheint. Wir fühlen schnell Zuneigung oder Anziehung, ohne uns dabei jedoch wirklich verletzlich zu machen, ohne unseren Schutzwall aufzugeben. Wenn wir jedoch die außergewöhnliche Freiheit erkennen möchten, die uns das erwachte Vertrauen schenkt, müssen wir uns weit mehr öffnen, als die meisten von uns das jemals natürlicherweise tun würden.

Wenn wir uns gestatten, tief zu vertrauen, gestatten wir einem anderen Menschen Zutritt zu unserem Herzen und zu unserer Seele. Wir vertrauen der guten Absicht eines anderen so tief, dass wir ihm gestatten, so nah zu kommen, dass wir uns nicht mehr schützen können. Erst wenn wir so weit geöffnet sind, können wir in dieser unendlichen Ausdehnung echter Verletzlichkeit und tiefer Intimität jemandem begegnen. Dann ist die Erfahrung identisch mit der mystischen Einheit mit Gott oder Geist. Keine Begrenzungen, ein Selbst, unendliche Freiheit und maßlose Freude. Diese Art von Vertrauen ist tiefer und bedeutungsvoller als einfach nur persönliche Liebe. In dieser echten transpersonalen Liebe durch die Beziehung zu einem anderen eröffnet sich eine neue innere Welt. Diese auf Vertrauen gegründete Liebe ist eine heilige Welt von grenzenloser Freiheit und unendlichem Raum. Dort gibt es keine Angst vor Verlust oder Betrug. Diese Liebe bedeutet: Ich bin immer bei dir, für immer.

Teil 3
Überlegungen zur undefinierbaren Natur des Göttlichen

Gott ist Liebe. Wie oft wurde das Wort „Liebe” benutzt, um das letztlich Undefinierbare zu definieren? Ich vermute, weil es das einzige Wort ist, das uns wenigstens in die Nähe des Unfassbaren bringt. Wenn wir das Wort “Liebe” benutzen, um das Transzendente, Absolute, Metaphysische zu definieren, nutzen wir es, um nicht-gewöhnliche Eigenschaften und Attribute zu beschreiben, die eine höhere Dimension der menschlichen Erfahrung, Intuition und des höheren Erkennens repräsentieren. Denn die Liebe, die Gott ist, ist transpersonal, weil sie weit über unsere einzigartige Individualität und die eines jeden Anderen hinausweist.

Gott ist Liebe. Wenn die am meisten verehrten Mystiker der großen religiösen Traditionen zu uns über die Liebe, die Gott ist, sprechen, erklären sie fast gleichlautend, dass die Natur dieser höheren, nicht-gewöhnlichen, transpersonalen Liebe Frieden ist. Sie sagen, dass die Liebe Gottes als unbeschreiblicher Frieden erfahren wird, „ein Frieden, der über alles Verstehen hinausgeht“. Ein Frieden, der so verzückend und all-umfassend ist, dass in seinen Armen sich alle Angst und Selbstbezogenheit verflüchtigt. Es ist ein Frieden, sagen sie, der uns befreit.

Gott ist Liebe. Der Grund dafür, dass die Liebe, die Gott ist, uns befreien kann, ist die Tatsache, dass dieser unbeschreibliche Frieden die wahre Natur der Existenz war, bevor das Universum geboren wurde. Bevor das Universum geboren wurde, bevor Zeit und Raum existierten, gab es nur Frieden. Wenn wir in die tiefsten Tiefen unseres eigenen Bewusstseins eintauchen, tiefer als unsere Gedanken und Erinnerungen, noch tiefer als unser Gewahrsein der Welt um uns herum, entdecken wir genau den gleichen Frieden – eine mysteriöse und unendlich erfüllende Leere, ohne Zeit, wo nichts jemals passiert ist, wo wir immer unendlich frei sind.
Gott ist Liebe. Die Liebe, die Gott ist, ist die erfahrene Entdeckung der tiefsten Dimension unseres Selbst und der Wirklichkeit selbst, die der Buddha das Ungeborene, das Ungeschaffene und das „Totlose“ nannte. Spirituelle Meister beziehen sich darauf als den Grund des Seins. Um es selbst zu entdecken, müssen wir in die Fußstapfen der Großen treten: Die Augen schließen, uns nach innen wenden und die Welt verschwinden lassen. Und mit solch einer Ernsthaftigkeit beten und meditieren, dass alles, was bleibt, Sein ist – zeitloses, formloses, unendliches Sein.

Gott ist Liebe. Aber die Liebe, die Gott ist, ist nicht nur Frieden! Die Liebe, die Gott ist, ist auch der evolutionäre Impuls – der kraftvolle Wunsch, im Universum und als das Universum zu existieren, die vorwärtsdrängende Energie und Intelligenz, die den kreativen Prozess entstehen ließ. Aus Nichts kam etwas! Gott ist die Antriebskraft im Herzen der ganzen kosmischen Entfaltung.

Gott ist Liebe. Die Liebe, die Gott ist, ist Eros, der sexuelle Impuls, der biologische Imperativ zur Fortpflanzung. Eros ist die gefühlte Erfahrung unerträglicher Ekstase und Dringlichkeit zugleich. Es ist die gefühlte Erfahrung des Universums, das voran drängt, um sich selbst in unseren Körpern entstehen zu lassen. Eros ist die gefühlte Erfahrung der Rastlosigkeit Gottes, seitdem er oder sie beschloss, das unendliche Universum zu erschaffen.

Gott ist Liebe. Die Liebe, die Gott ist, ist der nur dem Menschen eigene Drang zu kreieren. Menschliche Wesen sind die einzige Spezies, die von dem Drang nach Innovation angetrieben wird – um Neues hervorzubringen. Tatsächlich waren die Gestalter der menschlichen Kultur und Zivilisation in der Geschichte jene großen Individuen, jene seltenen Genies, die kühne Sprünge vorwärts in ihrem je eigenen Bereich machten. Ihre evolutionär inspirierte Begeisterung hat immer wieder die Welt neu erschaffen – und das ist auch heute noch so.

Gott ist Liebe. Schließlich ist die Liebe, die Gott ist, der spirituelle Impuls, der geheimnisvolle Drang, bewusster zu werden. Wieso verspüren manche Individuen das Verlangen, das tiefe Mysterium und die unendliche Komplexität der Existenz zu durchdringen und andere nicht? Sie sind zu der Liebe, die Gott ist, als dem spirituellen Impuls erwacht, dem Drang, der sie dazu bewegt zu beten und zu meditieren und voranzugehen, um sich ohne Ende zu entwickeln. Tatsächlich werden sie nicht aufhören, bis sie den beständigen Durchbruch erreicht haben, der es ermöglicht, das Nicht-Erkennbare zu erkennen und das Nicht-Fassbare zu erfassen. Sie sind erwacht, sie wurden erleuchtet, weil sie den spirituellen Impuls dem ganzen Weg bis zum „jenseitigen Ufer“ gefolgt sind.

Gott ist Liebe. Ich glaube, dass die Liebe, die Gott ist, sowohl Sein als auch Werden ist. Die Liebe, die Gott ist, ist sowohl die Erfahrung dieses transzendenten Friedens, der über alles Verstehen hinaus geht, und der dynamische, ekstatische Drang des evolutionären Impulses – die Energie und Intelligenz, die das Universum erschuf und es weiterhin erschafft.

Gott ist Liebe. Die Liebe, die Gott ist, ist eins und nicht-zwei. Die Liebe, die Gott ist, ist sowohl das befreiende Glück, die Welt zu transzendieren, als auch gleichzeitig die erwachte Inspiration und Begeisterung für ihre fortwährende Entwicklung und unaufhörliche Evolution.
Gottes Liebe ist alles.

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Braucht man heute noch spirituelle Lehrer oder Gurus?

Oktober 10th, 2012 by · Kommentare deaktiviert · Allgemein, Andrew Cohen, Impulse

Arjuna Ardagh & Andrew Cohen

ARJUNA ARDAGH: Wir möchten darüber sprechen, ob man heute einen Lehrer braucht. Ist es hilfreich oder manchmal sogar ein Hindernis einen Guru zu haben? Wir werden darüber vielleicht eher in einer traditionellen Weise sprechen. Der Lehrer, zu dem wir beide eine tiefe Verbindung haben, ist H. W. L. Poonja, den viele als Papaji kennen. Er war auch der Lehrer von Isaac Shapiro, Catherine Ingram, Gangaji und vielen anderen. Papaji setzte tatsächlich eine Satsang-Welle in Gang, die sich in den 90ern und bis in die frühen 2000er fortsetzte. Bei ihm nahm wirklich sehr viel seinen Anfang.

ANDREW COHEN: Ich war ursprünglich einer der ersten Satsang-Lehrer, bevor ich aufhörte, Satsang zu lehren.

AA: Ja, ich war auch Satsang-Lehrer und hörte auch damit auf. Sprechen wir über Papaji selbst und teilen unsere Erfahrungen. Er war ein intensiver Lehrer. Ich habe noch nie von einem Lehrer mit solch einer kraftvollen Übertragung und so einer kraftvollen transformativen Präsenz gehört. Was waren deine Erlebnisse mit ihm?

AC: Ich traf ihn zu einem Zeitpunkt, an dem ich aufgegeben hatte. Ich war wirklich ein sehr ernsthafter Sucher, und ich war entschlossen, eine tiefe und unwiderrufliche Veränderung in meinem Leben zu erfahren. Ich war ein sehr entschlossener Sucher. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits viele Lehrer gehabt. Acht Jahre lang war die spirituelle Suche das Wichtigste in meinem Leben gewesen und in gewisser Weise hatte ich die Nase voll von Lehrern. Aber als ich von diesem bemerkenswerten Schüler des großen Meisters des 20. Jahrhunderts Ramana Maharshi hörte, fühlte ich, dass ich ihn treffen musste. Aber als ich ihn traf, war ich sehr zögerlich, weil ich wirklich nichts mit in einem Lehrer oder Guru zu tun haben wollte. Ich wollte nicht mehr in die Falle einer hierarchischen Beziehung tappen.

Ich traf ihn, bevor er entdeckt und bekannt wurde. Er lebte im zweiten Stock im Haus seines Sohnes. Wie viele wissen mögen, lebte Meister Poonja ein einfaches Leben; als ich zu ihm kam, empfing er mich auf seinem Bett sitzend. Als ich in sein Zimmer ging, sagte ich, ich hätte keine Erwartungen, und er sagte mit sehr lauter Stimme: „Das ist gut!“ Wow, das beeindruckte mich, er ließ mich einen Standpunkt der Unabhängigkeit einnehmen.

Sehr schnell, ich glaube gleich beim ersten Treffen, fragte ich ihn: „Wie sehr muss man sich anstrengen, wenn man frei sein will?“ Er flüsterte: „Du brauchst keinerlei Anstrengung, um frei zu sein.“ Als er diese Worte äußerte, sah ich in meinem inneren Auge einen Bach oder ein Gewässer, das einen Hügel hinab floss. Und ich erkannte in diesem Moment, dass dieses Wasser meine eigene Wahre Natur war, dass ich immer frei gewesen bin und dass es eine Illusion gewesen ist, dass ich nicht frei war. Ich war fassungslos, dass meine Wahre Natur innewohnende Freiheit war: Ich bin immer frei gewesen; es war eine Illusion, dass es eine Blockade oder ein Hindernis gäbe und dass ich unfrei sei. Dieser Moment der Einsicht dauerte ungefähr fünf Minuten. Ich schaute auf den Boden. Dann rief er: „Das ist es!“ Ich schaute hoch und sagte: „Wie konnten Sie das wissen?“ Er lachte laut. Das war der Beginn meiner Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Mann.

Dann geschah das zweite wichtige Ereignis. Ich verbrachte drei Wochen mit ihm. Wir gingen am Morgen und am Nachmittag spazieren, und oft aß ich mit ihm und seiner Familie zu Mittag. Nachmittags ging ich in mein Hotel und machte ein Nickerchen. Zu der Zeit führte ich Tagebuch. Eine tiefe Erfahrung folgte auf die andere, und ich dachte, dass ich wahrscheinlich mit dem außergewöhnlichsten Mann zusammen war, den ich jemals getroffen hatte. Dann fragte ich mich wieder, ob er bloß ein verrückter alter Mann sei, und ich keine Ahnung hätte, worüber er sprach. Ich schwankte zwischen Zweifeln und tiefer Überzeugung.

Zu dieser Zeit beschäftige ich mich sehr mit der philosophischen Frage, was die eigentliche Natur der Wirklichkeit sei: Was ist die eigentliche Natur Gottes, von Wahrheit? Ist es Fülle? Wenn im Vedanta die Natur von Brahman beschrieben wird, die Natur der absoluten Wirklichkeit, hat sie eine Qualität von Fülle. Als Sucher verbrachte ich sehr viel Zeit mit buddhistischen Praktiken, und natürlich war für die Buddhisten die letzte Natur von Wirklichkeit die Leere. Zu dieser Zeit in meinem Leben war das eine Frage auf Leben und Tod für mich. Niemand hatte diese Frage beantworten können, keiner meiner Lehrer, niemand, den ich gefragt hatte. Deshalb fragte ich eines Tages: „Was ist die letztendliche Natur der Wirklichkeit, von Gott? Ist es Fülle oder Leere?“ Er sagte, das seien zwei Seiten derselben Medaille. Das befreite mich von einer enormen existenziellen und philosophischen Spannung.

Mit 16 Jahren hatte ich eine spontane Erweckungserfahrung, eine Erfahrung von kosmischem Bewusstsein, durch das ich zu dem erwachte, was ich wirklich bin und was wir alle wirklich sind. Es war ein Erwachen zur endlosen, anfangslosen, ewigen Natur der Wirklichkeit. Es war ein Erwachen zum Absoluten. Es war die tiefste Erfahrung, die ich je hatte, und ich erzählte vielen meiner früheren Lehrer von dieser Erfahrung. Aber sie konnten nichts damit anfangen. Schließlich erzählte ich Papaji sehr detailliert, was damals passiert war, und er sagte: Andrew, du weißt bereits alles.

Das erleichterte mich; denn er war eine große, profunde spirituelle Autorität – und hatte natürlich auch diese kraftvolle energetische Übertragung, von der du gesprochen hast. Das befreite etwas, das in gewisser Weise schon in meinem Innern geschehen war. Es löste einen energetischen Prozess aus. Ich verließ ihn für drei Wochen. Und er sagte mir, dass etwas sehr Großes mit mir geschehen würde. Etwa drei Wochen lang durchlebte ich einen starken energetischen Prozess.

Am Ende dieses Prozesses war ich nicht länger dieselbe Person. Ich fand mich plötzlich in der Position eines Lehrers, der mehr oder weniger über Nacht sehr starke und tief greifende Wirkungen auf andere hatte. Ein wichtiger Moment war dieser: Ich war in einem Hotelzimmer in Neu-Delhi. Ich erinnere mich, dass ich eines Morgens mich selbst auf dem Bett sitzend wahrnahm und die Worte sprach: „Ich gebe dir mein Leben hin, tu mit mir, was du willst.“ Ich gab mich nicht so sehr seiner Person hin, als vielmehr der energetischen Präsenz, die mir gefolgt war, und die mit mir war, seitdem ich seinen physischen Körper verlassen hatte.

Als ich diese Worte äußerte, sah ich einen Strudel in meinem inneren Auge, und ich wusste, dass in diesem Strudel mein ganzes Leben, meine Absichten und mein Karma waren, und alles fiel von mir ab. Danach wusste ich, dass ich nicht wusste, was die Zukunft bringen würde. Ich flog zurück nach Lucknow, um ihn zu sehen, und ich fiel ihm zu Füßen. Das ist die kurze Version der Geschichte.

AA: Heute, 21 Jahre später, wollen wir darüber sprechen, ob man immer noch solch eine Art von Beziehung haben muss. Aber vorher möchte ich noch meine Geschichte von meinem Treffen mit ihm erzählen. Es gab viele, viele Ähnlichkeiten. Wie du war ich auch seit langer Zeit auf der Suche. Meine Suche kam tatsächlich aus einem Leiden heraus. In meiner Familie gab es sehr viel Leid. Ich begann mit 14 Jahren zu meditieren, als Alternative zum Selbstmord, wirklich. 20 Jahre später, als ich 34 war, übte ich intensiv Transzendentale Meditation, und ich war zehn Jahre lang mit Bhagwan Rajneesh in Indien gewesen.

Dann las ich dein Buch My Master is My Self. Ich dachte, wenn es eine einprozentige Chance gibt, dass das, was Andrew Cohen passiert ist, mir auch passiert, dann fahre ich hin. Ich hatte nur dein Buch gelesen, ich wusste nichts Weiteres. Ich kam im Clarks Avadh Hotel an, das das indische Äquivalent eines 5-Sterne Hotels war. Ich kannte niemanden und ich suchte Poonja im Telefonbuch. Ich fand jemanden und rief an, und diese Stimme sagte merkwürdig kauend: „Ok, ich komme morgen um elf Uhr.“

Am nächsten Morgen um elf kommt Poonjajis Sohn, etwa fünfzigjährig, auf einem kleinen Moped vorbei. Ich sollte mich hinten draufsetzen, und wir begannen die verrückteste Reise meines Lebens in dichtem Verkehr und in einer Luft voller Abgase. Er brachte mich zu Poonjajis Haus. Etwa acht Leute saßen auf dem Boden gegen die Wand gelehnt um ihn herum. Er saß auf einer leicht erhobenen, hölzernen Plattform. Als ich in den Raum trat, trafen sich unsere Augen, und etwas in mir sagte: „Das ist es. Ich bin erledigt. Ich kann diesen Menschen nicht überleben.“ Als ich in seine Augen blickte, wurde mir klar, dass niemand ihm entkam.

Ich saß dort und hörte nur zu. Er sprach viel über Fülle und Leere und über viele andere Dinge. Morgens gab es eine Tee-Pause, und während alle Tee tranken, ging er in das Hinterzimmer, um Tabak zu kauen. Ich wurde eingeladen, ihn unter vier Augen zu treffen. Ich ging in das Hinterzimmer, und er fragte schroff: „Was willst du?“ Ich sagte also, dass ich so lange ich mich erinnern kann, auf der Suche bin – ich suche, ich suche, ich suche. Was steht dem Finden im Weg?

Er schaute mich an, als ob das die dümmste Frage wäre, die er jemals gehört hätte. „Was dem Finden im Weg steht? Das Suchen natürlich!“ Das brachte meine Welt völlig durcheinander. Mir wurde klar, dass die Anstrengungen, erleuchtet zu werden, all diese Anstrengungen, das größte Hindernis zur Freiheit waren. Das größte Hindernis war direkt vor mir.

Wie du blieb ich dann mit ihm. Morgens ging ich zu ihm, nachmittags ging ich zurück ins Hotel. Der Moment des Umschwungs passierte im Hotelzimmer. Es war die sechste Nacht. Ich ging zu Bett mit der Absicht, „diese Sache zu Ende zu bringen“. Er hatte mir gesagt: Wenn ich frei sein möchte, solle ich ihm denjenigen bringen, der festgebunden war. Dann würde er ihn befreien. „Bring mir das Ego, das festgebunden ist, und ich werde dich befreien.“ In dieser Nacht schrieb ich ihm einen Brief, in dem ich ihn bat, mich von meinem Ego zu befreien. Ich faltete den Brief und legte mich hin. Nach einer unruhigen Nacht, so um sechs Uhr morgens, kam mir in den Sinn, dass meine Aufgabe für den heutigen Tag sei, mein Ego zu finden und es Poonjaji zu bringen. In einer Art Halbschlaf suchte ich das Ego, die Entität, den getrennten Teil. Meine Aufmerksamkeit erweiterte sich und streckte sich und streckte sich und streckte sich bis zur Unendlichkeit. Plötzlich krümmte sich mein Körper 20 oder 30 Minuten lang vor Lachen. Ich saß auf meinem Bett, Lachschauer gingen durch meinen Körper, und mir wurde gewahr, dass ich mein ganzes Leben versucht hatte, von etwas loszukommen oder etwas zu verbessern, das es in Wirklichkeit gar nicht gab. Ich lebte dann ein Jahr mit ihm und wurde schließlich Satsang-Lehrer. Es gibt also viele Ähnlichkeiten in unserer Erfahrung.

AC: Eine seiner großen Gaben war es, Menschen dazu zu bringen, die Überzeugung fallen zu lassen, dass sie nach etwas suchten, das außerhalb von dem existierte, was sie bereits waren.

AA: Genau.

AC: Er konnte jenseits des Verstandes dem Selbst spiegeln, dass man schon dort ist. Jenseits von Worten konnte er den Menschen einen kraftvollen Eindruck dieser Wahrheit geben. Einige, die bereit waren, das zu akzeptieren, wurden dadurch dauerhaft transformiert. Für viele andere war es eine kraftvolle Erfahrung ihrer wahren Natur.

AA: Dann passierte etwas, das euch in gewisser Weise voneinander entfernte. Worum ging es dabei, Andrew?

AC: Das bräuchte sicher ein längeres Gespräch aber ich kam zu der philosophischen Schlussfolgerung, dass diese Lehre, obwohl sie kraftvolle Erweckungserlebnisse hervorrufen konnte, nicht genügte, um einen fortlaufenden, tieferen Transformationsprozess auszulösen. So wie er lehrte, muss man sich von der Zeit lösen, wenn man nach Zeitlosigkeit sucht. Alle Formen von Praxis, die in und durch Zeit geübt werden, um uns jenseits von Zeit zu bringen, halten uns getrennt von dem, was wir suchen. Die einzige Möglichkeit, Zeitlosigkeit zu erfahren, ist, hier und jetzt die Zeit loszulassen. Dann bist du bereits dort.

Das war wahr und funktionierte bei mir und offensichtlich auch bei dir. Während ich diesen Weg lehrte, und viele Menschen kraftvolle Einblicke und Erfahrungen machten, begann ich zu verstehen, dass höhere psychologische, emotionale, philosophische und moralische Entwicklung bei den meisten Menschen Zeit, Praxis und Einsicht erfordert. Es ist ein sehr tiefer und komplexer Lernprozess, der von den meisten Menschen mehr fordert, als einen Flash der Unendlichkeit. Als ich bei ihm war, dachte er, er würde bald sterben. Es ging ihm körperlich nicht gut, und er war wirklich von seinem baldigen Tod überzeugt. Er sagte mir, dass ich derjenige gewesen sei, auf den er gewartet hatte, und er wollte, dass ich Verantwortung für diese Arbeit übernehme. Und er sagte unzweideutig zu mir: „Ich will nicht, dass du dich für irgendetwas auf mich stützt. Alles was ich zu lehren habe, habe ich dir bereits eröffnet und gegeben. Du bist von nun an selbstständig.“ Ich nahm ihn beim Wort. Während meiner Lehrtätigkeit kam ich zu der Erkenntnis, dass ein Flash von Erleuchtung ein kraftvoller Katalysator ist, um einen Transformationsprozess zu initiieren. Allerdings bleibt für die meisten Menschen dann wirklich noch sehr viel Arbeit zu tun.

Wie du zum Beispiel. Du warst viele Jahre lang auf der Suche. Du hast sehr viel praktiziert. Ich war auch ein intensiver Sucher. Ich habe auch sehr viele Übungen gemacht, sehr viel nachgedacht, viele Einsichten gehabt, viele Unterscheidungen und Betrachtungen erlebt. Mir wurde klar dass, ein großer Teil des Transformationsprozesses nur vom Einzelnen selbst vollzogen werden kann. Das brachte ich also in meine Lehre. Als er hörte, dass ich den Menschen auftrug, etwas zu tun, empfand er natürlich, dass es das genaue Gegenteil seiner Lehre war, die da lautete: „Hör auf irgendwas zu tun, du bist bereits dort.“ Ich schätzte diese Wahrheit sehr, ich dachte wirklich, dass er völlig recht hatte. Jedoch brauchen die meisten Leute mehr als das. Es war ein grundsätzlicher, philosophischer Widerspruch.

AA: Jetzt, 21 Jahre später, teile ich mehr oder weniger die gleichen Schlussfolgerungen. Ich weiß nicht so genau, wie du mit Menschen arbeitest. Aber ich lege einen großen Wert darauf, dass die Menschen diese direkte Erfahrung machen. Ich lehre eine Methode, die Awakening Coaching heißt. Ich lege einen großen Wert darauf, dass diese Erfahrung von Transzendenz allem vorangeht. Dann braucht es einige Übung, um es voll zu integrieren, damit deine Verwirklichung und dein Leben in Einklang miteinander kommen. Ich denke, wir können nicht genug betonen, wie wichtig eine wahre Erfahrung von Unendlichkeit ist, von Stille und von Liebe und von Nicht-Getrennt-Sein. Für mich ist das die Triebkraft, die die Evolution weiterbewegt. Was denkst du darüber?

AC: Ich stimme dir aus vollem Herzen zu. Was wir brauchen, ist spirituelles Selbstvertrauen. Das ist das Ergebnis tiefster Überzeugung, die auf tiefer, transformativer, transrationaler Erfahrung basiert, die ohne jeden Zweifel die letztendliche Natur von Wirklichkeit, Existenz und des Selbst erkennt. Die Erfahrung muss so tief sein, dass wir trotz der Fähigkeit unseres Verstandes, Zweifel und Verwirrung zu kreieren, überzeugt sind.

Nachdem ich Indien verlassen hatte, kam ich einige Monate später wieder, um Meister Poonja zu besuchen. Er saß in einem Stuhl, als ich in den Raum trat, und sagte: „Andrew, ich bin so glücklich, dass du einen Freund gefunden hast, den du niemals sehen werden kannst.“

AA: Was für eine wunderbar rätselhafte Beschreibung.

AC: Weil die letztendliche Natur von Brahman vom Verstand und vom psychologischen Selbst nicht zu verstehen ist. Ob jemand erleuchtet ist oder nicht, ist also eine Frage in welchem Grad man absolutes Vertrauen und absolute Überzeugung in das hat, was man nicht sehen kann, und was der Verstand nicht erfassen kann.

AA: Wunderschön. Bevor wir weiter darüber sprechen, was sich in den letzten 21 Jahren entwickelt hat, möchte ich ein Geständnis machen. Es gibt diese philosophische Diskussion über Anstrengung, keine Anstrengung, absolute Verwirklichung, relative Verkörperung und vieles mehr. Darüber hinaus gibt es einen anderen, sehr menschlichen Aspekt, den ich mit Poonjaji erlebte. Ich habe ganz sicher niemals soviel Liebe gespürt wie mit ihm. Ich habe niemals einen Menschen so leidenschaftlich und tief und unerschrocken geliebt wie ihn. Weil ich ihn immer noch liebe, schaut sein Bild mich in meinem Büro an. Ich brauche ihn bloß anzuschauen, und ich kann mir nicht vorstellen, irgendjemandem mehr zu lieben, als ich ihn geliebt habe. Und ich glaube nicht von irgendjemandem mehr geliebt worden zu sein, als von ihm. Auch wenn er manchmal sehr grob war. Manchmal warf er mich hinaus oder sprach nicht mit mir. Einmal sprach er sechs Wochen lang nicht mit mir, aber ich fühlte mich auch geliebt.

Transzendenz, das Öffnen zur Unendlichkeit, ist auf viele Wege möglich. Ich bin darin eingeführt worden, und ich habe viele Menschen dahin geführt. Aber diese Liebe, die ich zu ihm empfand, kann ich nicht duplizieren. Deshalb ist er mein Lehrer, mein geliebter Lehrer. Wie die Beziehung zwischen Rumi und Hafiz. Wie ist das für dich? Fühlst du die gleiche Art von leidenschaftlicher Liebe zu ihm, all die Jahre später?

AC: Der energetische Prozess, den er in den Tiefen meines Seins und meiner Seele ausgelöst hatte, war die Erfahrung einer Art von unpersönlicher, absoluter Liebe, die physisch unerträglich war, und die mich vollkommen und vollständig überwältigte. Die absolute Dimension der Wirklichkeit selbst, die er mir offenbart hatte, erfuhr ich als absolute Liebe. Ich liebte ihn sehr. Aber was Poonjaji für mich heute darstellt, ist die Unmittelbarkeit erleuchteten Gewahrseins. Dass es bereits da ist. Vor etwa drei Jahren, am Jahrestag meines Treffens mit ihm und meines Erwachens, erschien plötzlich völlig unerwartet ein Bild seiner physischen Form vor meinem inneren Auge. Mehr in meinem subtilen Körper als in meinem Verstand. Er schwamm in einem Meer aus strahlendem Licht, und ich wurde überwältigt von solcher Liebe, wie du sie beschreibst. Diese Erinnerung an ihn ist eingeprägt, jenseits von Zeit, jenseits der Erinnerung an ihn. Diese Erfahrung war der Beweis, dass es da ist und dass es wahr ist, und dass es immer jenseits des Verstandes und jenseits von allem, was zwischen uns passiert, da sein wird. Für mich repräsentiert er also die Unmittelbarkeit des erleuchteten Gewahrseins.

AA: Was für ein unglaublich gutes Schicksal hatten wir beide, damals in den frühen 90ern als Männer in den Dreißigern, diesen Löwen des Erwachens zu treffen.

AC: Ja, ich traf ihn mit 30 Jahren, als die Beziehung zu meinem früheren Lehrer zu Ende gegangen war, und als die Beziehung zu meiner derzeitigen Partnerin vorbei war. Ich trat an seine Tür wortwörtlich mit völlig leeren Händen. Es hätte keine perfekteren Umstände geben können, einen solchen großen Meister, Lehrer und Menschen zu treffen.

AA: Es ist wirklich ein Genuss für mich, dies mit dir zu teilen. Das macht uns zu Brüdern, fast näher als Blutsbrüder, dass wir gesegnet wurden vom selben Lehrer, in der gleichen Weise. Es ist vielleicht die tiefste Form von Bruderschaft. In Indien nennt man das „Gurubai“, Brüder der gleichen spirituellen Übertragungslinie.

AC: Genau, das ist ein äußerst einzigartiger Bund, der sehr schwer zu verstehen ist, wenn du ihn nicht selbst mit jemandem teilst.

AA: Und wir beide haben nicht nur diesen Bund des Gurubai, wir beide sind uns auch der Notwendigkeit der Verkörperung bewusst geworden, der evolutionären Natur des Erwachens.

AC: Du wolltest noch auf die Frage eingehen, ob ein Lehrer heutzutage notwendig ist.

AA: Ja, heute, 2012, würden wir Menschen empfehlen, loszugehen, um auch zu erfahren, was uns passiert ist? Oder hat such die Natur der Lehrer-Schüler Beziehung tatsächlich in den letzten 20-30 Jahren dramatisch entwickelt?

AC: Mein Gefühl dazu ist sehr einfach, Arjuna. Die Reise höherer menschlicher Entwicklung, spiritueller Entwicklung, ist eine Reise vom Groben zum Subtilen, vom Subtilen zum Subtileren, zum noch Subtileren und zu immer subtileren Ebenen. Wenn wir uns für höhere Entwicklung interessieren, dann ist das etwas sehr Schwieriges, etwas, das man fast unmöglich allein machen kann, weil wir keine Ahnung haben, wohin wir gehen. Und wenn wir wirklich ernsthaft daran interessiert sind, suchen wir Menschen, die weiter gegangen sind als wir, und die viel mehr als wir selbst über dieses Gebiet wissen. Ich denke, das ist unschätzbar.

Wir leben in einer pluralistischen Kultur, die keine Hierarchie mag. Die Vorstellung, dass irgendjemand mehr über etwas weiß, als wir selbst, wird oft als ein Problem gesehen. Komischerweise ist es o. k. einen Sport-Guru zu haben, niemand findet das herausfordernd, oder sagen wir einen Finanz-Guru. Aber wenn du einen spirituellen Guru hast, sagen die Leute: „Oh, du hast deine Autonomie abgegeben, du hast deine Seele verkauft.“

Es gibt einen Unterschied zwischen einem Lehrer und einem spirituellen Meister oder Guru. Ein Lehrer ist jemand, der das Terrain kennt. Er hat tiefe Erfahrungen gemacht und er kennt Techniken und Methoden, die er anderen Leuten beibringen kann. Aber er ist selbst noch nicht fest verankert auf der anderen Seite. Ein Guru oder spiritueller Meister ist fest verankert auf der anderen Seite. Er kann in dem Maße, in dem er auf der anderen Seite zuhause ist, direkt von dieser aus sprechen. Durch seine Stimme und in unterschiedlichem Maße durch sein Sein wird die nicht-relative oder absolute Dimension der Wirklichkeit selbst angesprochen. Solch ein Mensch hat die Fähigkeit, sein eigenes Verständnis und seine eigenen Verwirklichungen direkt zu übermitteln. Beide, Lehrer und spirituelle Meister, sind wertvoll. Wenn du etwas gelesen hast aber keine direkte Erfahrung davon hast, es aber selbst erfahren willst, dann macht es Sinn, dass du die Hilfe und Führung von jemandem in Anspruch nimmst, der entweder eine Menge mehr darüber weiß als du, oder noch wichtiger, auf der anderen Seite sicher zuhause ist.

AA: Interessant. Ich werde ein drittes Wort zu dem Vokabular hinzufügen. Du hast Lehrer und Guru genannt. Es gibt einen Ausdruck, in den ich mich in den letzten Jahren wirklich verliebt habe. Es ist die Wissenschaft und Kunst des Coachings, was übrigens zeitgleich mit dem Aufkommen von Satsang geschah. Coaching kommt aus dem Bereich des Sports. Thomas Leonard sah in den frühen Neunzigern die Möglichkeit, Lebens-Coaching zu anzubieten. Ich habe diese Metapher des Coachings in die Spiritualität gebracht. Das war wahrscheinlich mein winziger Beitrag zur kollektiven Evolution. Es gibt etwas sehr Schönes an dem Begriff Coaching, weil er eine nicht-hierarchische Beziehung beschreibt. Er meint zum Beispiel, dass wir beide uns für ein Wochenende zusammenfinden könnten, wir könnten anerkennen, dass wir beide große Weisheit besitzen und erwacht sind. Aber wir können auch bemerken, dass wir blinde Flecken haben. Ich könnte blinde Flecken haben in einem Gebiet, in dem du sehr klar bist, und du könntest blinde Flecken haben in einem Gebiet, in dem ich sehr klar bin. So könnten wir uns gegenseitig helfen, ohne Notwendigkeit irgendeiner Hierarchie. Darauf ist tatsächlich meine ganze Arbeit aufgebaut. Ich trainiere Leute darin, Awakening-Coach zu sein. Du musst nicht besonders erleuchtet sein, um Menschen zu helfen, ein Erwachen zu erfahren. Du musst lediglich demütig sein und bereit, andere Wege zu gehen und Fragen zu stellen. Und wenn du in dieser Weise bereit bist, präsent zu bleiben, musst du nicht am Ende deines eigenen Prozesses angekommen sein, um anderen in ihrem Prozess helfen zu können.

AC: Das leuchtet mir sehr ein, und ich denke, das ist eine großartige Idee. Eines möchte ich allerdings hinzufügen. In der vormodernen traditionellen Weltsicht sowohl im Osten als auch im Westen gibt es den Begriff der vollständigen Erleuchtung. Das heißt, du bist am Ende des Entwicklungsprozesses angekommen, basierend auf einem zyklischen Weltbild, worin sich Zeit in Zyklen oder Kreisen bewegt, wie in einem Karussell. Deshalb sage der Buddha, als er dies bemerkte: Ich möchte diesen ewigen Kreiskauf verlassen.

Im Buddhismus gibt es die Vorstellung, aus diesem Rad des Werdens aussteigen zu können. Gemäß des traditionellen östlichen Models fallen alle Fesseln, die dich an die Erde und an den Körper binden, weg, sobald du dich von deinen Wünschen, von deinem Wollen befreist – allesamt Synonyme für dein Ego, für dein kleines Selbst. Ein vollständig verwirklichter Meister wie der historische Buddha oder wie der große Ramana Maharshi selbst, sind solche Beispiele. Sie sagen, sie haben Reinkarnations-Kreislauf beendet.

In der evolutionären Weltsicht spielt die Zeit sich nicht in Zyklen oder Kreisen ab. Sie ist tatsächlich linear. Sie begann vor 14 Milliarden Jahren, als das Universum geschaffen wurde. Vor 5 Milliarden Jahren wurde die Erde geschaffen, Leben entstand vor 4 Milliarden Jahren, menschliche Kultur vor ungefähr 250.000 Jahren.
Wenn wir auf all das, worüber wir gesprochen haben, im Kontext von kosmischer, biologischer und kultureller Evolution gucken, gibt es kein Ende des Werdens, es gibt kein Ende höherer Evolution oder höherer Entwicklung. Von dieser Perspektive aus glaube ich nicht, dass es für irgendjemanden möglich ist, zu einem Ende seines eigenen Potenzials oder seiner Entwicklung zu kommen. Es geht immer weiter. Ich selbst lerne unaufhörlich, wachse unaufhörlich, entwickle mich unaufhörlich. Ich fühle, dass ich mich ewig weiter entwickeln werde. Aber in Zusammenhang mit unserem Thema ist es wichtig anzuerkennen, dass jeder Mensch in unterschiedlichem Grade das kleine Selbst, das falsche Selbst losgelassen hat. Und in welchem Maße sie tatsächlich nicht länger mit den Ängsten und Wünschen des kleinen Selbst identifiziert sind. Und in welchem Maße sie wirklich spontan mit der Energie und Intelligenz des kreativen Universums identifiziert sind – oder mit dem Geist als Schöpfer oder in der traditionellen Ausrichtung mit dem Sein. Das ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Wenn es einen Identifikations-Wechsel gibt, wenn wir, wie ich es nenne, die 50 Prozent-Marke überschreiten, dann sind wir wirklich weniger mit dem kleinen psychologischen Selbst, mit unserem kulturell konditionierten Selbst, identifiziert. Dann identifizieren wir uns wirklich mit dem Geist selbst. Das ist grundlegend. Das meine ich mit der anderen Seite. Selbst bei 51 Prozent – wenn wir mehr mit Geist identifiziert sind, als mit dem psychologischen Selbst – liegt noch eine weite Strecke vor uns. Wir befinden uns alle in Entwicklung.

AA: Danke, es ist sehr schön, diese Zeit mit dir zu verbringen.

AC: Ich habe sehr genossen mit dir zu sprechen, mein Freund.

Dieses Gespräch wurde im Rahmen der „Enlightenment Conference“ geführt.
www.theenlightenmentconference.com

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Zitat der Woche – Das schönste Geschenk der Liebe

Februar 29th, 2012 by · Kommentare deaktiviert · Zitate

Liebe können wir entweder in Bezug auf das, was sie ist, oder auf das, was sie nicht ist, verstehen. Liebe ist die erhebende Erfahrung von Freude, Ekstase, Erfüllung, Zufriedenheit, Glück und Hingabe. Liebe ist nicht die schmerzvolle Erfahrung von Angst, Zweifel, Misstrauen, Eifersucht, Abhängigkeit und Anhaftung. Aber mehr als alles andere ist meiner Ansicht nach der höchste Ausdruck von Liebe das Vertrauen. In der Tat, Vertrauen ist das schönste Geschenk der Liebe. Der Grund dafür ist, dass Vertrauen eine Erfahrung ermöglicht, die Liebe nicht erreichen kann: Freiheit und Weite. Vertrauen ist die kraftvolle Erfahrung spiritueller Freiheit im Kontext der menschlichen Beziehung.

~Andrew Cohen

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Zitat der Woche – Kosmische Ausrichtung

Februar 8th, 2012 by · Kommentare deaktiviert · Blogs, Zitate

Die Evolution unseres Bewusstseins und unserer Kultur ist eine ehrfurchtgebietende Aufgabe, aber ich glaube, dass es für jeden möglich ist, dem es zutiefst wichtig ist. Diejenigen von uns, die sich vom evolutionären Impuls bewegt fühlen, müssen bereit sein, das dramatische Ausmaß zu erkennen, in dem der Lebensprozess sich ereignet. Wenn wir zu der Tatsache erwachen, dass wir teil eines 14 Milliarden Jahre währenden Prozesses sind, der sich in eine Richtung bewegt, beginnen wir zu sehen, dass unsere Entscheidungen von Tag zu Tag, Moment zu Moment buchstäblich in einem kosmischen Kontext geschehen. Wir sehen unsere eigene Anwesenheit hier auf der Erde in Beziehung zur Evolution des Kosmos.

Diese kosmische Ausrichtung ist entscheidend wichtig, um den nächsten evolutionären Schritt erfolgreich zu gehen. Wenn unsere Ausrichtung nicht so umfassend ist, werden wir nicht weiterkommen. Unsere gewohnten Denkweisen sind einfach zu engstirnig, klein und persönlich. Damit eine authentische, tief greifende und bedeutsame Transformation geschehen kann, müssen wir die Anstrengung machen, alle unsere Entscheidungen in einem kosmischen Kontext zu sehen. Und das ist an sich schon Evolution. Das ist unser nächster Schritt: zu einer kosmischen Ausrichtung erwachen – als Mensch, hier auf der Erde, genau jetzt.

—Andrew Cohen

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„Ich habe den Gipfel des Berges gesehen”: Eine Vision des Möglichen

Januar 23rd, 2012 by · Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen's Blog, Blogs

Von Andrew Cohen, am 15. Januar 2012

Heute ist Martin Luther Kings Geburtstag. Diese große Seele war ein Visionär. Was ist ein Visionär? Visionäre sind die seltenen und inspirierten Menschen, die eine große Verheißung und innewohnende Potenziale des menschlichen Bewusstseins und der menschlichen Kultur sehen, die die meisten von uns sich noch nicht einmal vorzustellen wagen. Sie sehen weit über die Gegenwart hinaus in eine Zukunft, die noch geschaffen werden muss. Für sie existiert diese Kultur in gewisser Weise schon, weil ihr Gewahrsein von inspirierenden und anziehenden Bildern des Möglichen erleuchtet ist. Nur wenn wir, wie Dr. King und andere große spirituelle Wesen, die gleiche Fähigkeit entwickeln, über den Punkt, zu dem wir schon gekommen sind, hinauszusehen und hinauszuspüren, wird unser Leben ein Ausdruck von etwas sein, das über den Status quo hinausgeht.

Vor Kurzem war ich als Sprecher bei einer Konferenz, die im Zusammenhang mit der Arbeit des großen zeitgenössischen amerikanischen Philosophen Ken Wilber organisiert wurde. Wilber ist für den mutigen Versuch bekannt, das gesamte menschliche Wissen in ein zusammenhängendes philosophisches System zu integrieren. Er ist auch bekannt für den Umfang seines Werkes (seine achtbändigen Collected Works wurden schon zu seinen Lebzeiten veröffentlicht). An einem Punkt in der Konferenz wurde er über seinen eigenen kreativen Prozess befragt und er beschrieb, wie er als junger Mann um drei Uhr morgens aufstand und ohne Pause – auch nicht zum Essen oder Zähne putzen – elf Stunden lang schrieb. Es ist schwer, sich vorzustellen, was einen Menschen dazu veranlasst, sich selbst so an die Grenze zu treiben, wenn man nicht sieht, dass es eine Vision gibt, mit der dieser Mensch verbunden ist, und die ihn dazu inspiriert, sich weit über die Norm hinauszubegeben.

Dr. King wusste, wie vor ihm Mahatma Gandhi, dass seine mutige und heroische öffentliche Herausforderung des Rassismus und der Rassentrennung sehr wahrscheinlich zu seiner Ermordung führen würde. Aber seine Vision des Möglichen – „Ich habe den Gipfel des Berges gesehen.“ – drängte ihn dazu, trotz aller Hindernisse weiterzugehen. Ein Visionär ist jemand, der nicht mehr dafür lebt, etwas für sich selbst zu bekommen oder zu haben oder um vorsichtig zu versuchen, das, was es schon gibt, zu bewahren und zu schützen. Visionäre leben für das, was noch nicht geschehen ist, weil ihre Aufmerksamkeit auf die Verheißung des Möglichen gerichtet ist – diese Zukunft ist im Feld ihrer Vorstellung schon strahlend lebendig. Weil sie diese Zukunft erfahren – und täglich ihre Verheißung spüren – leben sie in einem Zustand der ständigen Unzufriedenheit, sie sind gleichzeitig zutiefst inspiriert und immer unbefriedigt. Wie viele von uns haben den Mut und das Herz, so zu leben? Um für die Zukunft zu leben, wie diese großen Seelen, die die höheren Werte unserer Kultur hervorbrachten, müssen wir bereit sein, eine ewige Illusion aufzugeben. Diese Illusion ist das Versprechen einer tiefen und anhaltenden Zufriedenheit im gegenwärtigen Moment, die nicht mit der befreienden Kraft transzendenter Ideale oder Ziele verbunden ist. Das ist ein leeres Versprechen, das wir ständig am Leben erhalten, indem wir immer darauf hoffen, dass wir durch die Befriedigung unserer persönlichen Wünsche glücklich werden, oder indem wir uns wissentlich oder unwissentlich erlauben, mit den oberflächlichen Werten unserer ruhelosen und verwirrten Kultur konform zu gehen.

In unserer postmodernen Ära – “dem Zeitalter des Individuums” – geht es in der Spiritualität mehr um „mich“ und „mein Glücklichsein“ als darum, wohin wir gehen und was uns dort hin bringen wird. Ich denke wir vergessen, dass unsere spirituellen Helden fast immer mutige Seelen waren, die bereit waren, die größten Opfer zu bringen, aufgrund dessen, was sie im Auge ihrer spirituellen Intuition sahen – ihre Vision des Möglichen. Ohne zu einer kraftvollen und inspirierten Vision dessen zu erwachen, wie unsere Welt sein könnte, frage ich mich, wie es möglich sein kann, wahres Glück für mehr als einen flüchtigen Moment zu empfinden? Vor 2500 Jahren sagte uns der Buddha, dass sich alles jederzeit verändert und dass wir, wenn wir erleuchtete Wesen sein wollen, uns nicht erlauben dürfen, an etwas anderem anzuhaften als an dieser unfassbaren Leerheit, die der Grund der Wirklichkeit selbst ist. Aber heute, im 21. Jahrhundert: Wie wäre es, wenn wir uns selbst erlauben, an der erhabenen und inspirierten Vision des Möglichen festzuhalten, die immer außerhalb unserer Reichweite liegt? Die uns immer über den gegenwärtigen Moment und uns selbst hinauszieht, in eine ständig zunehmende Vollkommenheit, die wir paradoxerweise nie völlig erreichen werden.

In einem sich entwickelnden Universum bewegen sich die Grenzen immer weiter nach vorn, immer weiter nach oben. Große Seelen und inspirierte Visionäre verändern, verbessern und erleuchten die Welt, weil ihre Aufmerksamkeit immer auf diese Grenzen gerichtet ist. Das ist ein neues Verständnis des traditionellen spirituellen Ideals „in der Welt zu sein, aber nicht von ihr“. Es bedeutet, dass wir zutiefst in der Welt von Zeit, Raum und Lokalisation sind, aber die Aufmerksamkeit unseres inneren Auges, unseres inneren Herzens und inneren Geistes ist vollkommen fasziniert von dem, was weit, weit jenseits davon liegt.

Dr. Kings mitreißende Freude, sein Mitgefühl und tiefe Liebe für die Menschheit waren nicht nur der Ausdruck seiner „Selbstverwirklichung“ als Individuum, sondern noch bedeutsamer die Reflexion dessen, was er für uns alle in einer Zukunft sehen konnte, die noch nicht eingetreten war. Stell dir nur einmal vor, wie viel Liebe wir füreinander und für unsere Welt im gegenwärtigen Augenblick empfinden würden, wenn unsere Aufmerksamkeit vom Möglichen in der Zukunft erleuchtet und darauf fokussiert wäre.

Es ist nicht schwer sich zu beklagen und sich durch die Herausforderungen, denen wir als Einzelne und als globale Kultur gegenüberstehen, überwältigt zu sein. Aber wie viele von uns sind bereit, sich zu entwickeln und über unsere normalen Grenzen hinauszugehen, um echte Durchbrüche in neue Ebenen der Möglichkeit und des Potenzials mitzugestalten, die die meisten Menschen sich noch nicht einmal vorstellen können? Bei der spirituellen Entwicklung in unserer schönen neuen Welt muss es vielleicht weniger um das Sein gehen sondern vielmehr um das Sehen – sehen und sich vorstellen, was möglich ist, so wie es Dr. King getan hat. Und wenn wir den Mut haben, dass uns diese Vision aus dem Schlummer der Stagnation und Engstirnigkeit erweckt, können wir uns ohne Hindernisse für eine bessere Welt einsetzen.

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Zitat der Woche – Ein evolutionäres Leben

Januar 16th, 2012 by · Kommentare deaktiviert · Zitate

Was sind die Motive für die wichtigsten Entscheidungen in unserem Leben? Werden diese Entscheidungen von unseren tiefsten Einsichten und der größtmöglichen Perspektive getragen? Oder sind unsere Entscheidungen von konditionierten Impulsen und nicht hinterfragten “Geboten” motiviert, die wir unbewusst von der “unerleuchteten” Welt um uns herum aufgenommen haben? Wenn unsere Motive nicht dem tiefsten Teil unseres Selbst entspringen, werden wir auf einer bestimmten Ebene immer ein gewisses Unbehagen empfinden, so als wäre etwas, das wir nicht ganz greifen können, nicht in Ordnung. Wenn die wichtigsten Lebensentscheidungen nicht unseren tiefsten Erkenntnissen entsprechen und uns nicht an unsere eigenen Grenzen bringen, werden wir uns immer spirituell unbefriedigt fühlen. Wir werden uns nicht ganz fühlen. Aber wenn sich das in dramatischer Weise verändert und unsere Lebensentscheidungen ein authentischer Ausdruck unserer tiefsten Erkenntnisse werden, dann werden wir unser Leben in einer ganz neuen Weise erfahren. Wir werden an der Grenze unserer Möglichkeiten leben. In der Tat werden wir uns ständig anstrengen müssen, um mit dieser Grenze Schritt zu halten. Sobald wir uns entschieden haben, unserem höheren, noch nicht manifesten Potenzial entsprechen zu wollen, werden wir uns zweifellos schmerzlich bewusst, wie viele Anteile unseres Selbst sehr weit von der Erfüllung dieses Potenzials entfernt sind. Wir werden dann die meiste Zeit damit beschäftigt sein, diesem außergewöhnlichen Potenzial gerecht zu werden. Und genau das bedeutet es, ein evolutionäres Leben zu führen. Es ist die tiefste Herausforderung und das Spannendste, was es gibt – immer an dieser Grenze des Möglichen zu leben.

~ Andrew Cohen

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Zitat der Woche – In all deiner Unvollkommenheit

Januar 5th, 2012 by · Kommentare deaktiviert · Zitate

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass dein Ego – dein getrenntes persönliches Selbstgefühl und all seine kulturell konditionierten Tendenzen – nicht zur dringenden Notwendigkeit deiner Teilnahme im evolutionären Prozess erwacht ist. Deshalb ist dein Ego überzeugt, dass es alle Zeit der Welt hat, um ewig mit seiner eigenen Selbstverbesserung beschäftigt zu sein. Es sagt, “Naja, ich bin noch nicht bereit, weil ich noch nicht vollkommen bin.” Aber das ist nur die ewige Ausrede des Egos, um die überwältigende Dringlichkeit des evolutionären Kontexts des Lebens zu vermeiden. Hast du jemals einen Menschen getroffen, der vollkommen war? Ich denke nicht, dass es Vollkommenheit in der manifesten Welt gibt. Wenn du Vollkommenheit erfahren willst – innere Vollkommenheit; ungeborene, ungeschaffene Vollkommenheit – dann meditiere. Wenn du die Fähigkeit erlangst, eine konditionierte Beziehung zu Gedanken, Erinnerung und Zeit zu transzendieren, wirst du schließlich zum zeitlosen, formlosen, ewigen Grund deines eigenen Seins erwachen, und du wirst das erfahren, was vollkommen ist. Aber wenn wir wieder in den manifesten Bereich von Zeit, Raum und Form eintreten, dann lassen wir die Vollkommenheit hinter uns, um uns durch den evolutionären Prozess neu zu erschaffen.

Wenn dir also das Ego sagt, dass du noch nicht bereit bist, weil du noch nicht vollkommen bist, dann hält es dich in einem spirituell und evolutionär selbstbehindernden Kreislauf gefangen. Ein großer Teil des Erwachens zu spiritueller Reife besteht darin, zu erkennen, dass du bereit bist, Verantwortung zu übernehmen, sogar in all deiner Unvollkommenheit. Obwohl du erkennst, dass Vollkommenheit unerreichbar ist, strebst du danach und willst dich höher entwickeln und weitergehen. Du bist bereit, für die Schaffung der Zukunft verantwortlich zu sein, genau jetzt, selbst wenn dein Ego die ganze Zeit um sich schlägt und dich davon abbringen will. Und davon hängt in jeden Moment deine Befreiung, deine Erleuchtung, ab. Es ist nicht leicht. Du musst ein Krieger sein, du musst ein Beispiel sein, obwohl du weißt, dass du nicht vollkommen bist. Du musst dich also mit der Realität deiner menschlichen Schwäche auseinandersetzen, mit den Widersprüchen deines Charakters, und trotzdem mutig und unerschrocken genug, um bereit zu sein, für all das Verantwortung zu übernehmen. Und wenn du das tust, dann wird die Kraft des Geistes dein Herz, deinen Körper und deinen Verstand erfüllen und du wirst beginnen, DAS auszudrücken, trotz all deiner Unvollkommenheit. Und dann musst du als Mensch nicht vollkommen sein, weil der Geist schon immer vollkommen ist.

—Andrew Cohen

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Zitat der Woche – Unsere spirituellen Werte hinterfragen

Dezember 30th, 2011 by · Kommentare deaktiviert · Zitate

Diejenigen von uns, die an der spirituellen Dimension der Evolution interessiert sind – und daran, wie diese sich auf unsere gemeinsame Kultur auswirkt – müssen beginnen, viele unserer Annahmen zu hinterfragen. Obwohl wir schon weit im 21. Jahrhundert sind, haben sich zu viele unserer progressiven psycho-spirituellen Werte in den letzten 30 oder 40 Jahren nicht sehr verändert. In den goldenen Tagen der 1960er und 70er, als eine echte kulturelle Revolution die westliche Welt erfasste, waren das Eintauchen in unsere psychologische Innerlichkeit – und die Entwicklung von Sensibilität, Toleranz und Mitgefühl – und das mystische Erwachen zur Einheit aller Dinge wirklich mutige und radikale Schritte nach vorn. Aber die meisten von uns, die sich irgendwo in der Nähe der Spitze der kulturellen Evolution befinden, haben diese Wege zumindest in einem bedeutsamen Ausmaß schon entwickelt.

Ich habe sehr stark das Gefühl, dass wir in unserer Zeit eine psycho-spirituelle Perspektive und Praxis brauchen, die ganz anders ist. In der Tat gibt es viel tiefere und kulturell relevantere Wege, wie wir uns spirituell und philosophisch verbinden müssen. Statt uns so sehr darum zu kümmern, die Wunden der Vergangenheit zu heilen, ist es Zeit für eine Spiritualität, die mit einem überwältigenden Gefühl der Dringlichkeit in Bezug auf die Möglichkeiten der Zukunft erfüllt ist. Es ist Zeit über einen Ansatz der spirituellen Praxis hinauszugehen, der zu oft nur zu einer neuen Form der narzisstischen Selbstbezogenheit reduziert wurde. In einer Kultur, die so mit extremem Individualismus durchdrungen ist, ist es Zeit für uns, ein für alle Mal über uns selbst hinauszugehen, aus dem größten Grund, den es gibt: Aus ganzem Herzen zum evolutionären Impuls zu erwachen, damit wir die Welt neu kreieren können.

—Andrew Cohen

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Zitat der Woche – Wie sieht der nächste Schritt aus?

Dezember 21st, 2011 by · Kommentare deaktiviert · Zitate

Für diejenigen von uns, denen die Evolution von Bewusstsein und Kultur am Herzen liegt, ist die große Frage: Wie sollte der nächste Schritt aussehen? Wir wissen, wie es sich anfühlt – es fühlt sich sehr inspirierend an. Wenn du zum evolutionären Impuls erwachst, ist das aufregend, manchmal sogar überwältigend, so voller Positivität und Möglichkeit. Und wenn du eine höhere Perspektive entdeckst, ist das begeisternd – so als würdest du aus einem Traum erwachen. Aber weiter als das sind die meisten von uns noch nicht gekommen. Deshalb müssen wir nun, wo wir von diesen Erfahrungen des Durchbruchs inspiriert sind, gemeinsame Übereinkünfte finden, in denen wir verstehen, wohin wir gehen und wie unser Leben aussehen sollte, wenn es ein authentischer Ausdruck der gemeinsamen Vision des Möglichen ist, die wir in einem evolutionären Erwachen finden. Bis jetzt ist unser einziger Bezugspunkt die Art und Weise, wie wir bisher gelebt haben. Wenn wir nicht ernsthaft und fokussiert versuchen, bewusst eine neue Form unserer gemeinsamen Kultur zu kreieren, wird unser Leben nicht viel anders aussehen, als das Leben unserer Eltern – obwohl unser Geist von höheren Perspektiven inspiriert ist und unser Herz mit der Begeisterung des Möglichen pulsiert. Ich habe also den Eindruck, dass diese tieferen Fragen in Bezug auf unsere kulturelle Entwicklung etwas sind, mit dem wir uns alle dringend auseinandersetzen sollten. Niemand hat bisher die Antworten darauf gefunden.

—Andrew Cohen

1. Januar 2012, 21 Uhr: New Years Address mit Andrew Cohen
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