Die Klarheit der Absicht – Der erste Grundsatz
Der erste Grundsatz heißt Klarheit der Absicht, und er legt das Ergebnis der spirituellen Suche direkt in deine Hand.
In der Lehre der evolutionären Erleuchtung ist der einzelne Mensch letztendlich verantwortlich für seine eigene Entwicklung. Vielleicht sagst du, dass du dich weiter entwickeln, und dass du Freiheit oder Erleuchtung erlangen willst, aber ob dieses Streben zu einer Transformation führt oder nicht, das hängt ganz von dir ab. Wenn du wahrhaftig frei sein willst, wird dich letzten Endes nichts aufhalten können. Die Klarheit der Absicht ist das Fundament eines spirituellen Lebens. Das besagt, dass dein Wunsch nach Freiheit und dein Drang, dich weiter zu entwickeln, für dich wichtiger werden müssen als alles andere auf der Welt.
Frei sein zu wollen – mehr als alles andere – ist kein Gefühl: Es ist eine Handlung. Es ist eine bewusste Haltung, die du gegenüber jeder Entscheidung einnimmst, die du triffst. Ohne die klare Absicht, frei zu sein, wirst du dich auf lange Sicht durch noch so viel spirituelles Praktizieren nicht verändern. Dein Erfolg hängt vollständig von deiner bewussten Entscheidung ab, in jedem Augenblick frei zu sein. Schließlich wirst du einen Punkt erreichen, an dem du keine Wahl mehr hast, an dem deine eigene Freiheit zu einer Verpflichtung wird. Dann wird das authentische Selbst, das schon vollkommen frei ist, die beherrschende Kraft in deinem Wesen geworden sein, und du wirst nicht mehr mit dem ersten Grundsatz kämpfen müssen. Aber bis du diesen Punkt erreichst, muss die Klarheit der Absicht bewusst gepflegt werden.
Wenn du beginnst, über die Klarheit der Absicht nachzudenken, dann wirst du wahrscheinlich wie die meisten von uns entdecken, dass Freiheit nicht wirklich das ist, was du mehr als alles andere willst. Vielleicht willst du die befreiende Glückseligkeit höherer Bewusstseinszustände erfahren. Vielleicht hast du direkt vom Blickpunkt des Bewusstseins aus schon einen flüchtigen Einblick erhalten in das absolute Wesen der Wirklichkeit und fühlst, dass du auf diese Offenbarung reagieren musst. Aber sobald du versuchst, den Abgrund zwischen jener höheren Perspektive und der Realität deines eigenen Lebens in der relativen Welt zu überbrücken, wird die größte Herausforderung der spirituellen Freiheit sichtbar. Du erkennst, dass dir nichts weniger als alles abverlangt wird, wenn du ein lebendiger Ausdruck jener höheren Perspektive werden willst.
Ernsthaftes Nachdenken über die Frage „Will ich – mehr als alles andere – frei sein?“ wird unvermeidlich zu einer grundsätzlichen Konfrontation mit deiner Beziehung zum Leben führen. Es wird tiefe und machtvolle Strukturen ans Tageslicht bringen, die normalerweise verborgen bleiben: die ungezügelte und leidenschaftliche Freiheitsliebe des authentischen Selbst- und der wütende Widerstand und die Trägheit des Egos. Der erste Grundsatz macht es ein für alle mal möglich, frei zu wählen, was davon dein Schicksal bestimmen wird.
Die Klarheit der Absicht ist etwas einfaches, und dennoch geht sie über alle Maßen in die Tiefe. Wenn du die Freiheit mehr als alles andere willst, musst du dich nicht von höheren Bewusstseinszuständen abhängig machen, du musst nicht darauf warten, dass Gott dich rettet, du musst nicht auf Gnade hoffen. In einer Seele, in der wahrhaft Mut ist, wird dieser Grundsatz eine Stärke und geistige Unabhängigkeit erzeugen, die in sich schon die Befreiung ist. Die Klarheit der Absicht ist das Fundament eines erleuchteten Lebens und der Schlüssel zur Evolution des Bewusstseins selbst, denn dadurch wird die Freiheit vollständig in deine eigene Hand gelegt.
Das Gesetz der Willensfreiheit – Der zweite Grundsatz
Der zweite Grundsatz, das Gesetz der Willensfreiheit, besagt, dass, wenn man die Freiheit mehr als alles andere will, dazu bereit sein muss, für sich selbst die absolute Verantwortung zu übernehmen.
Es ist keine einfache Aufgabe, nach dem zweiten Grundsatz zu leben. Viele Einflüsse kommen zusammen und formen das Selbst: die persönliche Lebensgeschichte, kulturelle Prägungen, biologische Instinkte und vielleicht sogar die karmischen Eindrücke aus vorangegangenen Leben. Und außerdem noch die Ängste und die Sehnsüchte des Egos und der evolutionäre Impuls des authentischen Selbst. Was es dir aber ermöglicht, für all dies die Verantwortung zu übernehmen, das ist die Erkenntnis, dass letztendlich du selbst dich immer dafür entscheidest, der Mensch zu sein, der du bist. In jedem Augenblick triffst du bewusste und unbewusste Entscheidungen, mit denen du festlegst, was du tun wirst und was für Auswirkungen dies auf die Welt um dich herum haben wird.
Die Kraft des zweiten Grundsatzes hängt vollständig von der Anerkennung der Tatsache ab, dass wir auf irgend einer Ebene immer genau wissen, was wir gerade tun. Mit diesem kühnen Grundsatz wird erklärt, dass man aktiv und genau jetzt die Verantwortung für alles übernehmen muss, was man im Augenblick gerade tut und in der Vergangenheit schon getan hat – und ebenso für die konditionierten Reaktionen, die als Folge von etwas entstehen, was andere einem angetan haben. Erleuchtung bedeutet Freiheit von Karma. Karma entsteht jedes Mal, wenn man aus Unbewusstheit, Unwissenheit und Egoismus handelt und anderen so Leiden verursacht. Für die meisten von uns ist Karma eine gewaltige Kraft: eine durch buchstäblich unzählige Handlungen angesammelte Triebkraft. Diese Triebkraft des Karmas ist es, durch die uns die unerleuchtete persönliche Welt des Egos so anziehend erscheint. Das authentische Selbst in jedem von uns drängt danach, erleuchtet zu werden und sich beständig weiter zu entwickeln, aber das Ego wird von dem Bedürfnis getrieben, immer die Kontrolle zu behalten und ewig gleich zu bleiben. Und die Entscheidungen, die wir in jedem Augenblick treffen, legen fest, welcher Teil unseres Selbst unser Schicksal bestimmen wird. Jedes Mal, wenn wir aus dem Ego heraus handeln, entsteht Karma.
Es gibt wenige Menschen, die wahrhaftig anstreben, für sich selbst die absolute Verantwortung zu tragen. Die meisten ziehen es vor, sich als unbewusste Opfer äußerer und innerer Kräfte zu sehen. Solange man sich als Opfer seiner eigenen konditionierten Reaktionen sieht, die als Folge vergangener Wunden und Traumata auftauchen, wird man ganz unvermeidlich früher oder später andere verwunden oder traumatisieren, und die Wucht des eigenen Karma wird nur noch größer werden. Aber wenn man auf die Opferhaltung verzichtet, nimmt man schließlich das Gewicht seines Karmas auf die eigenen Schultern. Man trägt es, damit niemand anderes leiden muss. Man entscheidet sich heldenhaft dafür, die Welt von seinem eigenen elenden Ego zu befreien – und falls einem die Evolution des Bewusstseins am Herzen liegt, wird man in der Lage sein, einen wichtigen Beitrag dazu zu leisten.
In einem evolutionären Zusammenhang strebt der Mensch nach Befreiung, damit das authentische Selbst, der evolutionäre Impuls, frei ist zu handeln, zu reagieren und die Welt zu transformieren. Das authentische Selbst hat keine Vergangenheit, es besitzt kein Karma, es ist nie verwundet oder traumatisiert worden durch irgend etwas, das der in Geschichte und Zeit existierenden Person zugestoßen ist. Es ist von Natur aus ohne Ego, und wenn es sich selbst in anderen wiederfindet, entsteht ein Zustand ekstatischer Intimität und vollkommenen Vertrauens, der den Himmel auf die Erde bringt. Aber damit man ein Gefäß für diesen wunderbaren Zustand sein kann, muss man den zweiten Grundsatz so weit in seinem Leben umsetzen, dass die konditionierten und irrationalen Reaktionen des Egos immer gebändigt sind. Dann wird der vieldimensionale Komplex aus Energie, Bewusstsein und sich widersprechenden Impulsen, aus dem man besteht, zu einem Ausdruck eines umfassenden Ganzen werden, das nicht nur kein Karma mehr erzeugt, sondern anfängt, auf der Bahn der Evolution eine völlig neue und positive Triebkraft nach vorne zu entwickeln.
Sieh allem ins Auge und vermeide nichts - Der dritte Grundsatz
Der dritte Grundsatz ist die höchste Form spiritueller Praxis. Er besagt, dass wir, wenn wir frei sein wollen, jederzeit, überall und unter allen Umständen bereit sein müssen, allem ins Auge zu sehen und nichts zu vermeiden. Bei den meisten Formen spirituellen Praktizierens geht es letztendlich um die Kultivierung der Bewusstheit. Allem ins Auge zu sehen und nichts zu vermeiden bedeutet, eine hohe Fähigkeit zur Bewusstheit zu kultivieren. Das Ego hängt stark an dem Bild, das jemand von sich selbst hat, und es manipuliert seine Umwelt ständig so, dass es nur die Eigenreflexion wahrnimmt, nach der es gerade auf der Suche ist. Das Ego hat die Tendenz, Dingen auszuweichen, sie zu leugnen und alle Informationen, die es von der äußeren Welt oder der eigenen inneren Erfahrung erhält, zurückzuweisen, falls sie jenem Selbstbild auf irgend eine Weise widersprechen sollten. So lange wir uns also mit dem Ego identifizieren, entscheiden wir uns dafür, den weniger zuträglichen Aspekten unseres Selbst gegenüber blind zu sein, und werden unweigerlich aus diesen konditionierten und unbewussten Impulsen heraus handeln und überall um uns herum schlimme Schäden anrichten.
In einer befreiten Beziehung zum Leben spielt das Ego keine Rolle. Nur das Ego besitzt ein Selbstbild, das beschützt werden muss, und dieses Selbstbild erzeugt ein Hindernis, eine Mauer, die das Selbst vor zu viel Realität abschirmt. Das authentische Selbst ist bereits frei, es ist vollkommen unbefangen und nur an dem interessiert, was wahr und wirklich ist. Es muss kein Selbstbild beschützen und hat keinen Grund, irgend etwas zu vermeiden. Also muss man den dritten Grundsatz üben, damit die Verteidigungsstellungen des Egos beständig zerschlagen werden. Die Übung, allem ins Auge zu sehen und nichts zu vermeiden, entfernt alles, was das spontane, ungehemmte Erscheinen des authentischen Selbst behindert.
Nur ein Mensch, der wahrhaftig frei sein will, wird bereit sein, von den Täuschungen des Egos zu lassen und die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Nur jemand, der nach Transparenz, Authentizität und der Leere des Selbst strebt, und der durch einen starken Impuls, sich weiter zu entwickeln, motiviert ist, wird dazu in der Lage sein, der Wirklichkeit auf diese Weise ins Auge zu sehen. Alle anderen werden schließlich finden, dass sie zu sehr damit beschäftigt sind, den Anschein eines getrennten Selbst aufrecht zu erhalten, als dass sie überhaupt ernsthaft damit anfangen wollten, den dritten Grundsatz zu praktizieren. Aber wenn wir uns immer weniger mit den Ängsten und Begierden des Egos identifizieren und immer mehr mit der Leidenschaft des authentischen Selbst für die Evolution, dann werden unsere Ängste und Bedenken und unser Widerstand gegen die Wahrheit immer weniger unsere Erfahrung bestimmen. Wir werden die Stärke und den moralischen Mut aufbringen, das ertragen zu können, was wir ertragen müssen, wenn wir jederzeit, überall und unter allen Umständen allem ins Auge sehen und nichts vermeiden. Warum? Weil wir die Freiheit mehr als alles andere wollen. Wir wollen das Selbst vom Zugriff des Egos befreien, damit das Bewusstsein selbst frei wird, um sich durch uns weiter zu entwickeln. Unsere Fähigkeit zu diesem Grad der Bewusstheit und der Selbsterkenntnis hängt vollständig von unserer Absicht ab, frei zu sein, denn dabei verbünden wir uns mit der reinen Leidenschaft des authentischen Selbst, und so wird eben der Beweggrund zum Ausweichen überwunden.
Die Wahrheit der Unpersönlichkeit – Der vierte Grundsatz
Der vierte Grundsatz heißt die Wahrheit der Unpersőnlichkeit. Er besagt, dass letztendlich jeder Aspekt deiner eigenen persönlichen Erfahrung aus einer Perspektive betrachtet werden kann, die völlig objektiv und unpersönlich ist. Und allein von dieser weiten, universalen Perspektive aus kann man wahre Befreiung finden.
Die objektive, unpersönliche Sichtweise lässt uns erkennen, dass das abgetrennte Selbstgefühl oder Ego weiter nichts ist als die Illusion von Einzigartigkeit, die in jedem Augenblick von unserer zwanghaften Angewohnheit verursacht wird, fast jeden unserer Gedanken, Gefühle und Empfindungen als persönliche zu betrachten. In Wahrheit könnte die menschliche Erfahrung niemals eine persönliche Sache sein. Die meisten der Höhen und Tiefen, durch die wir gehen und zwanghaft als „meine eigenen“ deklarieren, haben etwas schockierend Unpersönliches. Vom höchsten Standpunkt aus betrachtet, kann man die gesamte menschliche Erfahrung als Teil eines Prozesses sehen: eines evolutionären Entwicklungsprozesses, der in der Zeit fortschreitet. Unsere eigene persönliche Erfahrung dieses Prozesses in seinen vielfältigen inneren und äußeren, rohen und subtilen Ausprägungen ist ein letztendlich sehr kleiner Teil eines unendlichen Entstehungsprozesses. Die Gedanken und Gefühle, die im individuellen Bewusstsein auftauchen, reflektieren emotionale und psychologische Strukturen oder Gewohnheiten, die sich langsam über Hunderttausende von Jahren entwickelt haben.
Wenn man sich etwas Abstand verschafft und sich eine zunehmend objektivere Betrachtungsweise im Lichte dieses größeren Zusammenhanges, in dem wir existieren, aneignet, wird man langsam, aber sicher die unpersönliche Natur all seiner eigenen Erfahrung erkennen. Bei dieser Erkenntnis wird die persönliche Dimension einem plötzlich vollständig durchsichtig werden. Selbst wenn sie nur vorübergehend ist, wird diese Einsicht alles vollkommen untergraben, was du über dein Dasein als einzigartiges, individuelles Wesen glaubst, das auf mysteriöse Weise in irgend einer abgeschlossenen Luftblase isoliert von allem anderen existiert. Du bist ein Prozess. Habe den Mut, dieser Tatsache ins Auge zu sehen, und du wirst für dich selbst durchsichtig werden.
Das Persönliche ist ganz einfach der Schleier, der die Illusion des Getrenntseins, also das Ego, erzeugt. Und diese Illusion ist groß. Sie ist mächtig und reicht tief. Die meisten von uns verbringen ihr ganzes Leben hinter diesem Schleier und machen nie einen Schritt darüber hinaus, außer vielleicht in den kurzen Augenblicken, in denen sie die Erfahrung eines höheren Bewusstseinszustands haben. Aber wenn man bereit ist, der Wahrheit einer unpersönlichen Objektivität ins Auge zu sehen, und den Mut hat, durch das eigene persönliche Selbstgefühl hindurch zu schauen, wird man die völlig unpersönliche Gegenwart des authentischen Selbst entdecken. Wenn man diesen unpersönlichen und objektiven Blickwinkel einnimmt, verschieben sich Identifikation und Bindung auf dramatische Weise von den persönlichen Belangen des Egos weg hin zur unpersönlichen Leidenschaft des authentischen Selbst, das sich nur für die Zukunft des evolutionären Prozesses interessiert. Für das authentische Selbst ist die persönliche Dimension völlig bedeutungslos. Vielleicht erlebst du immer noch die Ängste, Neurosen und irrationalen Zwänge des Egos, aber wenn du mit dem authentischen Selbst verbunden bist, wirst du merken, dass du die emotionale, psychologische und philosophische Charakterstärke hast, mit dem allem zurecht zu kommen. Warum? Weil du weißt, dass du nur ein kleiner Teil eines unendlich grossen, unpersőnlichen Prozesses bist. Wenn du den Schleier des Persönlichen wegziehst, entdeckst du eine radikale Objektivität, die dich sofort befreit, damit du auf der höchsten Ebene an diesem Prozesses teilnimmst: der Evolution des Bewusstseins selbst.
Um des Ganzen willen – Der fünfte Grundsatz
Der fünfte Grundsatz, Um des Ganzen willen, stellt die fundamentale Beziehung des Suchenden zum spirituellen Weg in einen neuen Zusammenhang. In ihm wird die Entwicklung des Motivs für den Freiheitswillen beschrieben.
Wenn wir uns auf den spirituellen Weg machen, wollen die meisten von uns Freiheit oder Erleuchtung natürlicherweise für sich selbst. Darum beginnen wir mit dem ersten Grundsatz, der besagt: Ich will – mehr als alles andere – frei sein. Aber wenn wir diese Bestrebungen ernsthaft und geradlinig verfolgen, uns authentisch entwickeln und dabei reifen, werden wir merken, dass sich unsere Beweggründe bald zu verändern beginnen. Sowie unser Verständnis und unsere Erfahrung wächst, erkennen wir, dass der Wunsch, frei zu sein, keine persönliche Angelegenheit ist. Für den Suchenden, der findet, wird es tatsächlich immer offensichtlicher, dass wir alle Teil eines großen evolutionären Prozesses sind, und dass das Streben nach Freiheit nichts Geringeres ist als ein Ausdruck des evolutionären Impulses innerhalb des menschlichen Geistes und Herzens. Darin erkennen wir, dass das Streben nach Erleuchtung nie nur unserer eigenen Befreiung dienen könnte. Die Bewegung des spirituellen Erwachens ist ein Teil des kosmischen Entwicklungsprozesses, und Ziel der Erleuchtung ist es letztendlich, das Licht des erwachten Bewusstseins in diesen Prozess selbst einzubringen.
Vor vierzehn Milliarden Jahren entstand schlagartig etwas aus nichts, und der höchste Ausdruck dieser wundersamen Aufwallung des Werdens findet sich in der gerade entstehenden Fähigkeit des Menschen, ein höheres Bewusstsein zu erreichen. Bewusstsein ist nicht etwas, das sich im Besitz irgend eines einzelnen Individuums befindet. Aber nur durch einzelne Individuen kann sich Bewusstsein entwickeln. Also ist das Ziel der evolutionären Erleuchtung die Befreiung des einzelnen Menschen von den Ängsten und Begierden des Egos, damit er zu einem offenen Durchgang wird, durch den sich das Bewusstsein selbst frei entfalten und in der Welt zum Ausdruck kommen kann.
Der fünfte Grundsatz besagt: Ich will nicht um meiner selbst willen, sondern um des Ganzen willen frei sein. Wenn das unsere spontane Reaktion auf die Sehnsucht nach Befreiung wird, dann ist etwas sehr Bedeutsames geschehen. Was mit einer freien Entscheidung begann, ist zu einer Verpflichtung geworden, bei der wir keine Wahl mehr haben. Unser zuvor eigennütziges Motiv hat sich weiter entwickelt, so dass es sich nun in Übereinstimmung mit dem Beweggrund des expandierenden Universums befindet: der reinen Leidenschaft des Urknalls, dem Gottesimpuls, der unser eigenes authentisches Selbst ist.
Wenn diese reine Leidenschaft zu unserer eigenen wird, veredelt sich das menschliche Leben: Es wird zum heiligen, zum spirituellen Leben, zu einem Leben mit Bedeutung und Wert. Wir entdecken, dass wir zu Hause angekommen sind und unseren Platz im ganzen Rahmen des Kosmos gefunden haben. Wir wissen, wer wir sind und warum wir hier sind. Solange unsere tiefsten Beweggründe persönlich und egoistisch sind, wird das Leben niemals einen tieferen Sinn haben. Aber wenn wir uns einen Beweggrund zu eigen machen, der alles Persönliche vollkommen überwindet, wird jeder Augenblick aufgeladen mit einem starken Gefühl für Sinn und Ziel. Das ist der Tod des Egos. All unsere kleinlichen Sorgen um uns selbst werden bedeutungslos, denn wir leben nicht mehr um unserer selbst, sondern um des Ganzen willen – verzehrt von der Leidenschaft, völlig frei zu sein, so dass nichts unsere Fähigkeit behindert, mit ganzem Herzen am evolutionären Prozess teilzunehmen.
Andrew Cohen
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